Gelesene Bücher
Manchmal will ich meine Meinung über ein Buch aufschreiben, ohne dabei gleich eine vollwertige Rezension abzufassen. Denn das halte ich für eine hohe Kunst, in der es sich nicht improvisieren lässt. Hier kann ich dagegen über Bücher plaudern, ganz subjektiv und kurzweilig.
Frank Schätzing Der Schwarm und Limit
Ich hatte schon den Schwarm verschlungen, mich dazu krank gestellt und drei Tage lang den Pyjama nicht ausgezogen. Die Unterwasserwelt der Meere hatte mich schon immer fasziniert. Ich fühle mich beim Tauchen wie zuhause und träume immer wieder, dass ich unter Wasser atmen kann. Der Schwarm war ein völlig unromantischer, düsterer Unterwasserroman, der die dunklen, ganz und gar menschenfeindlichen Seiten der gewaltigen Tiefen zeigte und deutliche machte, wie fremd wir in dieser Welt sind. Das war ganz heilsam für mich, da ich wahrscheinlich eine zu liebenswürdige Vorstellung von diesem verborgenen Universum habe.
Die andere Dimension, die mich noch mehr fasziniert, ist der Weltraum. Und dazu legte Schätzing seinen nächsten Riesenroman vor, 1350 Seiten über die nahe Zukunft auf dem Mond. Deshalb habe ich mir Limit gleich am ersten Erscheinungstag gekauft und mich sofort hineingestürzt. Wir wollen uns hier nicht mit dem aufhalten, was andere Kritiker schon geschrieben haben: Das Buch hat seine Längen, leidet unter etwas platten Charakteren und ist stellenweise zu oberflächlich, pseudocool und auf Gags zielend geschrieben. Das stimmt, und es traf auch schon beim Schwarm zu. Trotzdem habe ich mich nicht gelangweilt, denn Schätzing ist vielleicht kein großer Dichter, aber er hat politische Vorstellungskraft und technische Ideen für zwei Schriftsteller. Die perspektivischen Weiterentwicklungen der politischen Verhältnisse, der wirtschaflichen Konzentration und der Energiesituation auf der Erde sind so spannend wie plausibel, und zwar bis in die letzten Details. Es ist erstaunlich, wie Schätzing dieses kombinierte Wissen mobilisieren konnte, das eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Experten blamieren könnte. Der Roman rückt auch kenntisreich das moderne China und seine Bürger an uns heran. Ein guter Teil der Handlung spielt in Shanghai, wo unser Held Owen Jericho sein Geld als Sonderermittler und Spezialist für Cyberkriminalität verdient. Zusammen mit der oppositionellen Hackerin Jojo wird er von dem Superkiller Xin gejagt, der die beiden unfreiwillig auf die Spur einer Verschwörung bringt, die sie bis nach Berlin und schließlich London führt. Währenddessen reist eine Gruppe Superreicher und Medienstars mit dem Unternehmer Julian Orly mit seinem Weltraumaufzug zunächst zu seinem Weltraumhotel in einer geostationären Umlaufbahn und dann weiter zum Mond in sein Hotel Gaia, das in Form einer gigantischen Frau am Rande einer Schlucht sitzt und in Richtung Erde blickt. Er braucht diese Leute als Investoren für den Bau eines weiteren Aufzugs und für den Abbau von Helium-3 auf dem Mond. Mit diesem Element wird auf der Erde die Kernfusion bereits so erfolgreich betrieben, dass die großen Öl- und Gaskonzerne ihrem Bankrott entgegensehen. Einer dieser Investoren ist etwa ein indischer Solarzellenhersteller. Die Reisegruppe befindet sich in größter Gefahr, und Owen Jericho arbeitet mit seinem Team daran aufzuklären, worin diese besteht und was dagegen zu machen ist.
Die Beschreibung all der technischen Details, der Aufzug, des Essen im Weltraum, der Staub auf dem Mond, die Statik des Hotels Gaia, all das ist absolut überzeugend. Männern sind solche Sachen wichtig. Deshalb schätze ich auch, dass dieses Buch kaum von Frauen gelesen wird, aber von vielen Ingenieuren. Wie schlecht das Rezensionswesen der Medien funktioniert kann man daran ablesen, dass Beckmann und vor allem Giovanni di Lorenzo in seiner Quasselsendung "3 vor 9" - der das Buch auch offensichtlich nicht einmal gelesen hatte - von nichts anderem sprechen wollten als vom Sex im Weltraum, der im Roman nur einen kurzen Auftritt hat. Es war erbärmlich, wenn man bedenkt, wie viele interssante Aspekte und brisante Prognosen das Buch zu bieten hat. Schätzing ist allerdings ein großer Verkäufer und hat bei diesem Unsinn brav mitgespielt. Mit seiner Limit-Show zeigt er auch, dass er ein Teil dieses Systems ist, das keinen Unterschied zwischen Literatur und Show mehr machen will.
Juli Zeh Spieltrieb, Schilf, Adler und Engel und Alles auf dem Rasen
Joachim Bohnert Koks (erscheint März 2010) und Krimi
Warum soll ich hier nicht auch über Bücher berichten, die in meinem eigenen Verlag erscheinen? Joachim Bohnert ist einer unser ersten Autoren. Ich kenne ihn schon seit fünfzehn Jahren - und immer noch überrascht mich jeder seiner Texte aufs Neue. Er schreibt nie dasselbe nochmal und mit jedem Manuskript zieht er ein neues Register. Koks habe ich gerade mit meinen Kollegen redigiert. Ich müsste Bohnert eigentlich böse sein, denn ich kann jetzt mit meiner naiven Auffassung von Literatur nichts anderes mehr ungestört lesen. Ich hab's versucht, etwa mit Terezia Moras Alle Tage, eine Empfehlung von Juli Zeh. Was für ein Mist! Was für eine affektierte Fräuleinscheiße an Germanistensauce! Ich habe das Buch ungelogen von meinem Bett aus in die Ecke gepfeffert und ihm hinterhergeschrien. Die Rezensionen kannte ich schon vorher, und da liegt das Problem. Was ist das für ein Literaturbetrieb, der so etwas wie Alle Tage in Besprechungen hochjubelt und mit Preisen überhäuft? Koks von Joachim Bohnert erklärt es nicht nur, sondern verdirbt einem im gleichen Zug ein für allemal den Appetit auf diese Art deutscher Literatur-Promidinners. Zugleich ist es selbst ein literarisches Meisterwerk in der Form eines Rezensionsromans. Worum geht es? Holger Treffeysen konnte seinen ersten Roman Koks vor dem frühen Ableben nicht mehr fertig schreiben. Macht nichts. Dafür wird die Rezension dieses so unfertigen wie unsäglichen Manuskripts, ein Ergebnis der deutschen Literaturstipendienmaschine, ein Roman der besonderen Art, eine funkelnd bösartigee Abrechnung mit dem deutschen Literaturbetrieb. Unentdeckte und doch schon überfeierte Autoren, Rezensenten, Germanisten, der Feminismus, der Post-Strukturalismus und die Sozialdemokratie: Alle kriegen ihr Fett ab! Bohnerts hinterlistiger Humor läuft hier zur Hochform auf. Kein Buch von ihm hat mich so beeindruckt und beeinflusst wie dieses.
Stefan Weidner Manual für den Kampf der Kulturen und Mohammedanische Versuchungen
Bernhard Horstmann Hitler in Pasewalk. Die Hypnose und ihre Folgen
Robert E. Rubin In einer unsicheren Welt. Erinnerungen eines US-Finanzministers
(USA 2003, Deutschland 2007)

Der ehemalige Finanzminister Clintons, Bob Rubin, ist einer meiner politischen Helden. Und das aus Gründen, die für die Bundesrepublik in diesen Tagen (Januar 2010) ihres ungebremsten Abstiegs höchst aktuell sind. Er hat sich zwar zuletzt als Chefberater der Citigroup äußerst unbeliebt gemacht und ist dort im Januar 2009 rausgeflogen, weil er mehr als jeder andere die Deregulierung der Finanzmärkte und insbesondere der Kreditderivate politisch betrieben und dann auch wirtschaftlich genutzt hatte. Das war ein Fehler, wie heute jeder weiß. Doch das Billionen-Dollar-Rettungsprogramm der USA für die Banken und die Konjunktur wäre überhaupt nicht möglich gewesen, wenn derselbe Mann unter Clinton nicht gegen alle Widerstände eine sagenhaft erfolgreiche Politik der Haushaltssanierung durchgezogen hätte, die so gut war, dass nicht einmal drei Bush-Legislaturen sie ganz zerstören konnte. Rubin inspirierte Clinton, von dem er sagte, er war der "erste amerikanische Präsident mit einem tiefen Verständnis dafür, wie die Globalisierung und neue Technologien unsere Wirtschaft, unser Land und die Welt umgestalten", zur Haushaltskonsolidierung, zunächst aus dem einfachen Argument heraus, dass die Zinsen dadurch sinken und das Wachstum angekurbelt würde. Darüber hinaus ist Rubin aber Wirtschaftspsychologe, und er rechnete mit einer Reihe bisher noch unbekannter positiver Kollateraleffekte.
"Während ich zwar nicht glaubte, dass irgend jemand den positiven Effekt gesunder Staatsfinanzen auf das wirtschaftliche Vertrauen vorhersah, akzeptierte jeder in Little Rock das Argument, wie sich ein glaubwürdiger Plan auf die Zinsen auswirken könnte. Entgegen einiger Berichte war jeder damit einverstanden, dass ein ernsthafter Plan zum Defizitabbau absolut erforderlich war."
Gegen die Republikaner und ihren Wadenbeißer Newt Gingrich, der sogar mit einer Zahlungsunfähigkeit der USA drohte, hat die Clinton-Adminstration sich durchgesetzt und wurde damit erfolgreich:
"Die Wirtschaftspolitischen Entscheidungen Clintons leiteten einen grundlegenden Wandel in der Fiskalpolitik ein. Die Gegner dieser Wende - vor allem Verfechter der Angebotstheorie, die sich klar gegen Steuererhöhungen als Teil unseres Programms zum Abbau des Defizits aussprachen - sagten voraus, dass unsere Maßnahmen zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, weiterer Verschuldung, wirtschaftlicher Stagnation, Rezession, wenn nicht sogar Schlimmeres führen würden.... Doch alle diesen Unkenrufen zum Trotz erlebte das Land die längste Wachstumsperiode seiner Geschichte. In der Privatwirtschaft entstanden zahllose neue Jobs, die Inflationsrate ging zurück, Löhne und Gehälter stiegen quer durch die Einkommensgruppen. Auch die Investitionen nahmen zu, es kam zu einem Produktivitätswachstum und einem Rückgang der Verschuldung, in deren Folge sogar Überschüsse erwirtschaftet [und von den Bushs über Steuersenkungen wieder an die Reichen verschleudert, RG] wurden. All das frustrierte die Angebotspolitiker nachhaltig [sprich FDP in Deutschland, denn in der CDU gibt es nicht die geringsten Ansätze irgendeiner wirtschaftspolitischen Kompetenz, weder angebots-, noch nachfrageorientiert, weshalb sie wie Wachs in den Händen der Leute ist, die sie zur falschen Haushaltspolitik antreiben], die ja zunächst davor gewarnt hatten, unsere Politik würde großen wirtschaftlichen Schaden anrichten, und als sie schließlich bemerkten, das das Gegenteil der Fall war, plötzlich behaupteten, mit einer vernünftigen Finanzpolitik habe das alles trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklung nichts zu tun."
Auch für die Zukunft der Bundesrepublik hat er ein paar passende Beobachtungen, an die ich heute (20. Januar '10) anlässlich der Haushaltsdebatte im Bundestag wieder denken musste. Die Bundeskanzlerin, die bisher den Rat aller Experten in den Wind schlägt, schwafelt immer noch von Wachstum, das durch Entlastungen zustande kommen soll. Wüsste sie überhaupt, in welchem Wirtschaftsjahr die Bundesrepublik zuletzt richtiges, ehrliches Wirtschaftswachstum hatte? Wahrscheinlich nicht. Es war 1994. In diesem Jahr nämlich war zum letzten Mal das Wachstum des Bruttowirtschaftsprodukts höher als die Neuverschuldung der öffentlichen Hand. Seitdem war alles, was die in dieser Sache wenig hilfreichen Medien und die noch inkomptenteren Politiker noch "Wachstum" anbeten, nur eine mit immer höheren Aufwand an Staatsschulden erzeugte Simulation. Aber nun zurück zu Bob Rubin:
"Robert Reischauer, ehemaliger Leiter des Haushaltsbüros des Kongresses und einer der klügsten und erfahrensten Haushaltsexperten, den ich kennen, denkt dass die politische Führung möglicherweise nicht gewillt sein könnte, die langfristige Haushaltslage zu verbessern, bis es zum unvermeidlichen Tag der Abrechnung kommt. Kommt diese Krise, wird entweder - wahrscheinlich zu einem ungünstigen Zeitpunkt - die Entscheidung fallen müssen, die Einnahmen wesentlich zu erhöhen. Oder - wir werden mit schweren und anhaltenden wirtschaftlichen Kalamitäten konfrontiert. Dann werden sich die Amerikaner [lies "Deutschen"] mit Entsetzen fragen, wie dies geschehen konnte. Leider hat noch niemand, der nun aufgrund der Defizite beunruhigt ist, eine Möglichkeit gefunden, diese zukünftigen Kosten auf eine Weise darzustellen, die kurzfristig politische Resonanz findet - während die schwerwiegendsten Probleme erst noch entstehen und doch noch verhindert werden könnten."
Nick Cook Die Jagd nach Zero Point. Das größte Geheimprojekt seit Entwicklung der Atombombe

Ein Hammerbuch! Ich habe es verschlungen. Darauf gekommen bin ich, weil ich mich seit einigen Jahren mit Gravitation beschäftige. Nick Cook ist ein als Journalist und gilt als Spezialist für "schwarze Militärprojekte". Über verschlugene Wege ist er dazu gekommen, zu einem seltsamen Entwicklungsprojekt zu recherchieren, zuerst in der Gegenwart, wo er überall verschlossene Türen fand, und dann zurück in der Geschichte, wo er atemberaubende Zusammenhänge aufdeckt. Es geht um die militärischen Forschungen zum Einsatz von Anti-Gravitation, insbesondere im Flugzeugbau. Die Spur führt von Lockheed Martins "Skunk Works" über die Geheimprojekte von Northorp-Grumman und dem Tarnkappenbomber zurück in die letzten Jahre des Dritten Reiches, als in den tiefen, finsteren Minen von Nordhausen die Sklaven des nahegelegenen KZ Dora schufteten, um für die Alliierten einen Albtraum vorzubereiten - und für Hitler den Sieg (mehr dazu weiter unten bei Tom Agostons Teufel oder Technokrat). Cook lässt uns glauben, dass die Nazis kurz vor dem Durchbruch standen, eine unvorstellbare Antigravitionswaffe zu bauen, vielleicht sogar eine, mit der gleichzeitig die Zeit verändert werden kann. Er kommt dann zurück zu den bekannten Experimenten von Podkletnov, der 1996 über rotierenden Metallscheiben den Effekt der Gravitationsabschirmung entdeckt haben will. Seine Ergebnisse konnten allerdings nicht reproduziert werden. Ich habe dazu den österreichen Gravitationsphysiker Martin Tajmar befragt, der am Phänomen des Gravitomagnetismus arbeitet und in einer eigenen, inzwischen von Fachleuten anerkannten Testreihe über rotierenden Scheiben aus supraleitendem Material in gekühltem Helium einen Gravitationseffekt bzw. eine Verdrillung der Raum-Zeit messen konnte, die so stark war "wie bei einem rotierender Neutronenstern". Den Versuchsaufbau kann man hier sehen. Auf das Verfahren hat er 2008 sogar ein Patent angemeldet. Das ist das zur Zeit spannendste Gravitationsexperiment weltweit und Tajmar ist, nach allem was ich in Erfahrung bringen konnte, ein junger und hochseriöser Forscher. Er hatte das Buch von Nick Cook gelesen und fand es auch ganz faszinierend. "Doch von der Physik, die darin beschrieben wird, stimmen höchstens 5%", schrieb er mir amüsiert.
Eiji Yoshikawa Musashi
Die faszinierende, ganz nüchtern erzählte Lebensgeschichte des berühmtesten aller Samurai, Musashi, eine historische Figur (1584-1645), Erfinder der Zwei-Schwert-Technik und Autor eines der wichtigsten Bücher des alten Japans, Das Buch der fünf Ringe. Hier habe ich sehr viel über Japan gelernt. Yoshikawas (1892-1962) Roman entstand 1935 aus einer Artikelserie in der Zeitung Asahi Shimbun. Bis heute wurden von diesem 1200-Seiten-Werk alleine in Japan über 25 Millionen Exemplar verkauft und er wurde mehrmals verfilmt, aber nie so, dass er auch nach Europa gedrungen wäre.
David Foster Wallace Unendlicher Spaß
Harry Mulisch Die Entdeckung des Himmels
Immanuel Kant Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft
Ich gestehe es offen: Ich bin strenger, orthodoxester Kantianer. Doch das drückt es noch nicht richtig aus. Immanuel Kant ist mein wichtigster Lehrer, die reichste geistige und intellektuelle Quelle in meinem Leben, der Weltendenker und -entdecker, der mich mehr belehrt und inspiriert hat als jede andere lebende oder historische Persönlichkeit.
Willi Goetschel Constituting Critique. Kant's Writing as Critical Praxis
Mein lieber Freund Willi, in mehrfacher Hinsicht ein sympathischer Doppelgänger von Woody Allen, hat eines der besten und schönsten Bücher über Kant geschrieben. Selbst ein ausgezeichneter Stilist, entwickelt er in seiner so sensiblen wie profunden und umfassenden Studie ein ganz ungewöhnliches Panorama von Kants philosophischer Tätigkeit, nämlich ausgehend von dem Gedanken, dass Kant seine Tätigkeit als Schriftsteller immer als methodischen Kern seiner Philosophie begriffen hat. Dabei hebt er hervor, was lange vergessen war und was immer noch kaum ein Student oder Dozent der Philosophie weiß, nämlich wie erfolgreich und populär Kant als Schriftsteller war, bevor er alle Welt mit dem Erscheinen der Kritik der reinen Vernunft schockierte.
Isidor F. Stone Der Prozess gegen Sokrates
Tom Agoston Teufel oder Technokrat? SS-General Hans Kammler – Hitlers graue Emminenz
Auf dieses Buch bin ich durch Nick Cooks Jagd nach Zero-Point aufmerksam geworden, zu dem ich weiter oben etwas geschrieben habe. Kammler war der Leiter des Forschungsprojekts in Nordhausen, aus dem die Wunderwaffe des Dritten Reiches kommen sollte. Wer den Kern des Nationalsozialmus verstehen will, darf an diesem unauffälligen und nach dem erlöschen der Nazihölle spurlos verschwundenen Hans Kammler nicht vorbeigehen. Hier kann man viel über die Qualität des wirklichen und echten Bösen lernen. Der Titel von Agostons Buch passt ausgezeichnet. Es ist wie der Bericht eines Besuchs des Teufels auf Erden.
Lisa Randall Verborgene Universen. Eine Reise in den extradimensionalen Raum
Alex Kerr Dogs and Demons. The Fall of Modern Japan

Es ist DAS Buch über Japan. Wer es nicht gelesen hat, darf sich auf keinen Fall zu den Japan-Kennern zählen. Es ist eine schonungslose Abrechnung mit allen Mythen und Lügen, mit denen die Japaner sich selbst und die nach Erlösung und einem ästhetischen Paradis suchenden Ausländer betäuben. Vor allem aber ist es eine Anklage der sagenhaften Zerstörungen von Kultur und Natur, die sich in Japan spätestens seit den 1970er Jahren abspielt. Das alles von einem Autor, der dieses Land ganz ohne Zweifel nicht nur bis in seine letzten Ecken kennt, sondern auch liebt. Das Problem besteht nur darin, dass man wohl erst in Japan gewesen sein muss und am besten einmal von Norden bis Süden gereist ist, um das Buch verstehen zu können. Denn wer Japan noch nicht kennt, der wird sicher überfordert sein von der Menge an Beweisführunge und scharfen Beobachtungen. Natürlich wurde das Buch nicht auf Deutsch übersetzt, denn die sanften deutschen Japanalia-Sammler, Zen-Touristen und Teezeremonie-Schwärmer wären gar nicht angetan von diesem schockierenden Bericht. Hier eine kleine Kostprobe:
"“Japan is like the spaceship in 2001: A Space Odyssee. The computer Hal runs all life systems aboard the ship with benevolent wisdom, speaking to the crew through the public-address system in a resolutely calm and cheerful manner. Later, when Hal goes mad and starts murdering people, he continues placidly to assure crew members in an upwaveringly upbeat voice that all is well, wishing them a good day. In Japan, articles in magazines paid for by the bureaucrats who cement over rivers and lakes assure the public that their natural environment is still beautiful. Bureaucrats at Donen (public institution managing the Japanese nuclear power program) instruct children that plutonium is safe to drink. Every day in Japan we hear the soothing voice of Hal telling us not to worry. Since 1993 the government has predicted economic rebound every year, despite an ever-deepening recession.”
Silvia Arroyo Camejo Skurrile Quantenwelt
Robert Musil Der Mann ohne Eigenschaften
Durs Grünbein Galilei vermisst Dantes Hölle
Salman Rushdie Satanic Verses
Carl Sagan Blauer Punkt im All. Unsere Zukunft im Kosmos
Carl Sagan Contact
Henry Miller Tropic of Cancer und Paint as You Like and Die Happy
Neal Stephenson Cryptonomicon, Quicksilver, Confusion und System of the World
Michio Kaku Die Physik des Unmöglichen. Beamer, Phaser, Zeitmaschinen
Dietmar Dath Die Abschaffung der Arten