Japan
Begonnen hat meine Verbindung zu Japan mit einer folgenreichen Begegnung auf den Champs-Elysées in Paris. Wegen der Frau, die ich damals traf – ich war noch Gymnasiast –, zog ich im folgenden Jahr unmittelbar nach dem Abitur nach Paris und begann dort mein Studium.

In den sechs Jahren dieser prägenden Beziehung las ich viel japanische Literatur und Geschichte. 1987 stieß ich auf die Berichte von den Japanreisen des deutschen ArztesPhilipp Franz von Siebold. Dieser segelte 1823 zum ersten Mal in dieses seit mehr als zweihundert Jahren völlig abgeschlossene Land und verbreitete von seiner kleinen Arztpraxis und Privatuniversität in Nagasaki aus die westlichen Wissenschaften in Japan. Er heiratete auch eine Japanerin, deren gemeinsame Tochter die erste Ärztin Japan wurde. Diese Geschichte ließ mich nicht mehr los. Bald danach begann ich mit den Recherchen zu einem historischen Roman, den ich über Siebold schreiben wollte. Jahrelang las und forschte ich in Bibliotheken und versenkte mich immer mehr in das alte Japan. Doch noch gefiel mir der Plot des Romans nicht. Es dauerte bis 2003, als ich die zündende Idee hatte. Jetzt soll Shiboruto 2010 endlich erscheinen. Hier ist die Synopse des Romans. Mehr dazu auch hier unter Neuer Japan-Roman.
Siebold ist übrigens ein Held in Japan, den wirklich jedes Schulkind kennt. Er ist der Vater der japanischen Moderne. In Deutschland ist er, vor allem verglichen mit dem überfeierten Alexander von Humboldt, dagegen völlig unbekannt, obwohl er eine viel wichtigere Rolle für Japan spielte als Humboldt für Südamerika. Mehr als eine Briefmarke hat man ihm hiezerulande nicht gewidmet.

Philipp Franz von Siebold (1796-1866)
Dafür, dass ich mich schon so lange für das Land interessierte, dauerte es ganz schön lange, bis ich endlich dort hinkam. Das war erst im Sommer 2005, und zwar mit meiner japanischen Frau, die ich zwei Jahre zuvor im Zuge meiner Siebold-Recherchen kennengelernt hatte. Sie ist in Tokyo geboren und ihre Familie lebt dort. Man kann sich kaum vorstellen, wie aufgeregt ich war, als ich zum ersten Mal japanischen Boden unter den Füßen hatte. Über zwanzig Jahre lang war ich immer wieder in Gedanken in diesem Land, jetzt war ich endlich dort.

Vom Sommer 2005 bis Ende 2009 stand mein Leben ganz im Zeichen Japans. Mit meiner japanischen Frau und ihren Kindern bin ich im August 2005 zum ersten Mal nach Tokyo geflogen, wo ich für die Audiantis GmbH erste Geschäftskontakte machte, die vielversprechend waren. Gleich Ende September war ich noch einmal dort und habe an Asiens größter Messe für Unterhaltungsindustrie CEATEC in einem von der japanischen Außenhandelsgesellschaft JETRO organisierten Bizzmatch teilgenommen. Von da an flog ich regelmäßig nach Japan, um unser Netzwerk auszubauen. Dann fingen qualifizierte Investmentgespräche mit verschiedenen Investoren an. Am weitesten kamen wir mit Intel Capital Japan und der Digital Garage Group, so dass ich im April 2007 die Audiantis Japan K.K. gründete. Zugleich bewarb ich mich für das ETP Executive Training Program der Europäischen Kommission (www.etp.org), das junge Europäer zu Japan- und Koreaexperten ausbildet. Im Sommer wurde ich als Stidendiat in dieses hochkarätige Programm aufgenommen. Von November 2007 bis Ende Februar 2008 an wurde ich mit einer Gruppe von achtzehn Europäern in Paris an Sciences Po, in Mailand an der Bocconi School of Management und in London an SOAS School of Oriental and African Studies in allen Bereichen von Wirtschaft, Kultur und Sprache auf Japan vorbereitet. Das war eine grandiose Zeit! Anfang März ging es dann nach Tokyo, wo wir bis Ende Juli an der Waseda Universität Business und Sprache studierten. Dann begann ein dreimonatiges Praktikum in einem japanischen Unternehmen. Über diese Japan-Erlebnisse habe ich ausführlich und mit vielen Bildern und Videos auf meinem englischen Blog www.regisworld.wordpress.com unter dem Tag "ETP" berichtet. Im Laufe desselben Jahres hatte sich die Gesellschafterstruktur der Audiantis GmbH in Berlin erheblich verändert und es wurde eine neue Firmenstrategie beschlossen, sodass ich die Geschäftsführung der GmbH und auch den Vorstandsvorsitz der Audiantis Japan K.K. niederlegen musste. Das war vorerst das Ende meines Japan-Abenteuers. Doch eine Fortsetzung ist schon in Arbeit.
Sehr viel über Japan gibt es bereits auf www.regisworld.wordpress.com
Ich habe in Tokio 2008 drei Essays auf Englisch über japanische Geschichte unter dem Titel Rethinking the History of Japan I-III geschrieben.